Museumsgeschichte
und Sammlung


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Mädchenbildung
"Das Regelrechte ist, daß Mädchen heiraten und ihre Bildung in der Ehe gewinnen..."
Die Erziehung der Mädchen orientierte sich im 19. Jahrhundert am bürgerlichen Frauenideal und hatte die treusorgende, aufopferungswillige Gattin, Hausfrau und Mutter zum Leitbild. Besonders der Handarbeits- und Hauswirtschaftsunterricht sollte auf die häusliche Rolle vorbereiten. Eine über die Volksschule hinausgehende weiterführende Bildung vermittelten die höheren Töchterschulen, an denen in Preußen allerdings erst 1908 der Erwerb des Abiturs möglich wurde.

Musterbuch für den Handarbeitsunterricht
Für die stetig anwachsende Zahl lediger, unversorgter Frauen der bürgerlichen Schicht stellte der Lehrerinnenberuf die einzige, standesgemäße Möglichkeit dar, selbsttätig den Lebensunterhalt zu verdienen. Demzufolge waren den meisten Töchterschulen Lehrerinnenseminare angeschlossen.
 
Der Nachlass der Handarbeitslehrerin Martha Heinrichs, die am Dortmunder technischen Lehrerinnenseminar 1907 ihre Prüfung ablegte, sowie Produkte des Handarbeitsunterrichts und Lehrmittel belegen eindrucksvoll dieses Kapitel der Schulgeschichte.

Rechen-
unterricht

"Nach Adam Riese..."
 

Rechenmaschinen
Im Mittelalter und der frühen Neuzeit wurde das Rechnen außerhalb der Schule gelehrt. Sogenannte Rechenmeister, wie der bekannte Adam Riese, unterrichteten vornehmlich die Söhne aus Handwerker- und Kaufmannsfamilien.
 
Als Hilfsmittel diente ein Rechentisch, auf dem mit Rechenpfennigen das Rechnen "auf der Linie" praktiziert wurde. Mit der Einführung des Dezimalsystems setzte sich die "Russische Rechenmaschine" als Lehrmittel in den Schulen durch. Reformpädagogische Ideen fanden in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts mit der "Fingerrechenmaschine" Einzug in den Unterricht. Auch das "Rechenhaus" der 50er Jahre förderte den spielerischen Umgang mit dem Fach.
 
Neben den Lehrmitteln geben vor allem Schulbücher Einblick in die Entwicklung. Waren im Kaiserreich beispielsweise die Rechenbücher für die höheren Töchterschulen auf die praktische Haushaltsführung hin ausgerichtet, dokumentieren die Schulbücher im Nationalsozialismus mit ballistischen Berechnungen den Einzug der Wehrertüchtigung in den Unterricht.
 
Anfang der 70er Jahre wurde die Mengenlehre an den Grundschulen eingeführt. Sie sollte weniger die praktische Rechenfähigkeit als vielmehr mathematisches Denken vermitteln. Dieser Reformversuch ist gescheitert. Die Mengenlehre wird heute nicht mehr unterrichtet.

Schulmöbel
"Damit der Schüler gerade sitze ..."
 

 
  Wandbild: Falsches und richtiges Sitzen
 
Die Schulen des Mittelalters und der frühen Neuzeit besaßen keine "echten" Schulmöbel. Bei der meist sehr sparsamen Einrichtung der Häuser behalf man sich mit einfachen Bänken für die Schüler - und Stühlen oder Kathedern aus dem kirchlichen Bereich für die Lehrer.
 
Mit der in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts beginnenden medizinischen Debatte um die Schulhygiene veränderten sich die Schulmöbel. Um 1900 gab es bereits rund 200 verschiedene Banktypen. Die erfolgreichsten waren die Rettig-Bänke.

Am Ende des Kaiserreichs entwickelte die Reformpädagogik, die das starre Schulsystem preußischer Prägung ablehnte, Vorschläge, um die Einrichtung von Schulklassen zu verbessern. Bereits in dieser Zeit entstanden lose Tisch-Stuhl-Systeme.
 
Nach 1945 wurden in der Bundesrepublik die herkömmlichen Schulbänke durch moderne Tisch-Stuhl-Kombinationen abgelöst. Es ist bemerkenswert, daß sich die modernsten Schulmöbel wieder den Formen der Jahrhundertwende angleichen.