Museumsgeschichte
und Sammlung


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Die Anfänge
"... das man Kinder zur Schule halten solle."
 
  Schulheft, 1697
 
Im Mittelalter lag das gesamte Schul- und Bildungswesen fast ausschließlich in der Hand der Kirche. Aus diesen Schulen wurde der kirchliche Nachwuchs rekrutiert.
 
Mit dem Aufblühen der Städte im 13. Jahrhundert entwickelten sich erste Rats-, Stadt- oder Kirchspielschulen. Diese sogenannten Lateinschulen, die erstmals nicht mehr ausschließlich eine religiös-theologische Ausbildung zum Ziel hatten, bildeten den Ausgangspunkt des weltlichen Schulwesens.
 
Neben den Lateinschulen entstanden Schreib- und Rechenschulen, die die Schüler mehr auf eine berufspraktische Bildung für den Handwerks- und Kaufmannsstand vorbereiteten.
 
Humanismus, Reformation und Gegenreformation stellten die schulische Bildung vor neue Aufgaben. Forderungen nach einer humanistischen Jugendbildung wurden immer lauter. Die ersten Gelehrtenschulen oder "akademischen Gymnasien" - als eigenständiger Schultyp zwischen der Kirchspielschule und der Universität - wurden gegründet.

Kaiserreich
"... um der Ausbreitung sozialistischer und kommunistischer Ideen entgegenzuwirken."

Tellurium
 
Die preußischen Reformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren darauf ausgerichtet, das Schulwesen zu zentralisieren und der Kontrolle des Staates zu unterstellen. Für den Bereich des Elementar- beziehungsweise des Volksschulwesens bedeutete das die Zurückdrängung von kirchlichen Bestimmungsrechten zugunsten einer einheitlichen staatlichen Reglementierung. Ein Umwandlungsprozeß von den Kirchspielschulen in staatliche allgemeinbildende Schulen begann.
 
Zum Ende des Jahrhunderts hin wurde die Schule verstärkt als ein Instrument kaiserreichstreuer Sozialisation und somit zur Sicherung der Monarchie eingesetzt.

Weimarer Republik
"... gegen die Lern- und Wortschule."
 


Schülermützen
Im November 1918 endete das deutsche Kaiserreich mit der Kriegsniederlage und der Revolution.
 
In der anschließend gegründeten Weimarer Republik gelangte der Arbeitsschulgedanke der Reformpädagogen in die Verfassung, und die "innere Demokratisierung" der Schulen begann. Die vierjährige Grundschule wurde für alle Kinder verpflichtend.
 
Die reformpädagogische Bewegung kritisierte den autoritären Unterricht und plädierte statt dessen für eine an den kindlichen Bedürfnissen ausgerichtete Pädagogik. Schulfahrten und Wandertage sollten zur körperlichen Ertüchtigung und zur praktischen Unterrichtsgestaltung beitragen. Lehrmittel, wie der Sandkasten, boten im Heimatkundeunterricht die Möglichkeit, die bei Spaziergängen gesammelten Beobachtungen spielerisch in Formsand umzusetzen.

National-
sozialismus

"Blond und blauäugig..."

Wandbild: Rassenkunde
 
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 veränderten sich die inhaltlichen Schwerpunkte des Schulunterrichts. In den Fächern Deutsch, Sport, Geschichte und Biologie wurden die "neuen" Werte der "Volksgemeinschaft" betont. Schulfeiern und Flaggenappelle, Aufmärsche und Lageraufenthalte trugen zur Indoktrination der Jugend bei.
 
Sowohl die Wehrertüchtigung als auch die Rassenkunde nahmen eine zentrale Rolle im Unterricht ein. "Das Ziel dieser Erziehung ist also der in Blut und Boden wurzelnde rassisch bewußte ... deutsche Mensch", so Reichsinnenminister Frick über die nationalsozialistische Schule.
 
Die desolate Versorgungssituation und die beginnenden Luftangriffe behinderten seit 1942 zusehends den geregelten Unterrichtsablauf. Mit den ersten Tagangriffen 1943 kam er völlig zum Erliegen. Ab 1942 wurden die ersten Schulklassen mit der "Kinderlandverschickung" aus den bombengefährdeten Gebieten evakuiert.

Nach 1945
"Erziehung zur demokratischen Lebensweise."
 
  Audio-visuelle Lehrmittel
 
Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs konnten die Chancen einer reformierten Schulpolitik nicht genutzt werden. Nicht zuletzt die Alliierten schrieben in der Bundesrepublik Deutschland das dreigliedrige Schulsystem fest.
 
Mit den geburtenstarken Jahrgängen der späten 50er und der 60er Jahre stiegen die Schülerzahlen rasch an. In der Auseinandersetzung um die "Bildungskatastrophe" wurde der vergleichsweise niedrige Anteil qualifizierter Schulabschlüsse kritisiert. Letztendlich förderte die Debatte die Reformfreudigkeit im Schulwesen.
 
Mit der Einrichtung der Gesamtschule, die in Dortmund in einem Modellversuch erstmalig 1968 installiert wurde, sahen die Befürworter die demokratischste Schulform verwirklicht. Seit 1981 ist in Nordrhein-Westfalen die Gesamtschule als vierte Form der weiterführenden Schule im Schulverwaltungsgesetz verankert.
 
Die Medienflut erfaßte seit den 50er Jahren zunehmend den Unterricht. Neue Lehrmittel, insbesondere aus dem audio-visuellen Bereich, wurden verstärkt in den Schulen eingesetzt.